Zum Hauptrechner

Lebenslagen

Pflege bei Demenz — Pflegegrad und Entlastung

Bei Demenz sind die NBA-Module 2 (Kognition) und 3 (Verhalten/Psyche) entscheidend. Anders als bei rein körperlichen Erkrankungen wird die Beeinträchtigung leicht unterschätzt — Pflegetagebuch ist hier besonders wichtig.

Datenquelle: Sozialgesetzbuch XI (insbesondere §§ 14, 15, 18, 28a, 30, 36, 37, 38, 40, 41, 42a, 43, 43c, 45b SGB XI) und Bundesministerium für Gesundheit (Übersicht „Leistungsansprüche 2026“, 11.12.2025). Selbsttest nach Anlage 1 und Anlage 2 zu § 15 SGB XI. Beträge zuletzt mit dem Gesetzestext abgeglichen: . Verantwortlich: Matthias Henkert (Impressum). Verbindlich ist ausschließlich die Begutachtung durch MD bzw. MEDICPROOF.

Wir sind affiliate-frei.

Wir empfehlen keine Pflegehilfsmittel-Boxen, keine Pflegezusatzversicherungen, keine Pflegedienste. Du bekommst hier ehrliche Information ohne Lead-Gen-Hintertürchen. Wenn du konkrete Beratung willst: kostenlose Pflegeberatung nach §7a SGB XI bei deiner Pflegekasse oder im örtlichen Pflegestützpunkt.

Demenz im NBA — die kritischen Module

Im Neuen Begutachtungs-Assessment werden Demenz-typische Einschränkungen vor allem in zwei Modulen erfasst:

  • Modul 2 — Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Orientierung, Erinnerung, Verständnis, Entscheidungen). 11 Items.
  • Modul 3 — Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (Unruhe, Aggression, Wahnvorstellungen, Antriebslosigkeit). 13 Items.

Wichtig: Es zählt nur der höhere Wert von Modul 2 oder 3 (nicht beide addiert). Bei Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten dominiert oft Modul 3.

Rechenbeispiel: Wie Modul 2 und 3 in den Pflegegrad eingehen

Modul 3 erreicht die volle Wertung schon ab 7 Einzelpunkten (Modul 2 erst ab 17) — tägliches Auftreten eines einzigen Verhaltens bringt bereits 5 Punkte. Beide Module zusammen liefern aber höchstens 15 gewichtete Punkte. Den Rest muss die Begutachtung in Selbstversorgung, Alltagsgestaltung und Krankheitsbewältigung finden — dort zeigt sich Demenz oft indirekt (Anleitung beim Waschen, Erinnern an Essen und Medikamente).

Beispielprofil: Körperlich mobil, mittelschwere Demenz mit nächtlicher Unruhe

ModulEinzelpunkteGewichtet
1. Mobilität00
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten1715
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagenzählt nicht — nur der höhere Wert aus Modul 2/3 wird gewertet715
4. Selbstversorgung820
5. Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen15
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte711,25
Gesamtpunkte51,25

Ergebnis: Pflegegrad 3 — bis Pflegegrad 4 fehlen 18,75 Punkte.

Umrechnung nach Anlage 2 zu § 15 SGB XI, Schwellen nach § 15 Abs. 3 SGB XI. Konstruiertes Beispiel; die Einzelpunkte vergibt der Medizinische Dienst bzw. MEDICPROOF nach Anlage 1.

Tipps für die Begutachtung

  • Pflegetagebuch über 1–2 Wochen: nächtliches Aufstehen, Verirrungen in der Wohnung, vergessene Mahlzeiten, wiederholte Fragen — alles aufschreiben mit Zeit und Häufigkeit
  • Angehörige bei der Begutachtung dabei: Demente Personen zeigen oft eine „bessere Tagesform“ beim MD/MEDICPROOF. Angehörige müssen den Alltag schildern können
  • Ärztliche Befunde mitbringen: Demenz-Diagnose (ICD-10), MMSE-Score, Verlaufsdokumentation der Hausärztin
  • Verhaltensauffälligkeiten ehrlich benennen: auch wenn es schmerzt — aggressive Phasen, sexuell enthemmte Aussagen, Weglauf-Tendenz dürfen nicht beschönigt werden

Tagespflege — die wichtigste Entlastung bei Demenz

Tagespflege-Einrichtungen mit Demenz-Schwerpunkt bieten Tagesstruktur, soziale Kontakte und Aktivierung. Das verlangsamt den Demenz-Verlauf und entlastet die Angehörigen massiv. Bei PG 3 sind es 1.357 €/Monat extra — wird oft komplett übersehen.

Den Eigenanteil für Verpflegung kannst du mit dem Entlastungsbetrag (131 €/Monat) abrechnen — eines der besten Verwendungen.

Spezialleistung „Niedrigschwellige Betreuung“ früher — Entlastungsbetrag heute

Was früher als „erhöhter Betreuungsbedarf bei Demenz“ eine Sonderleistung war, ist heute im Entlastungsbetrag (131 €/Monat) aufgegangen. Du kannst damit Alltagsbegleitung, Haushaltshilfen oder Demenz-spezifische Tagesaktivitäten finanzieren — durch zugelassene Anbieter nach Landesrecht.

Häufige Fragen

Zuletzt aktualisiert: